Mallory`s Sakko und Irvine`s Rucksackparka von Nigel Cabourn

Der Mann liegt langgestreckt auf dem Bauch,
Gesicht nach unten, die Arme greifen angewinkelt nach vorne.
Der rechte Fuß ruht auf der linken Ferse.
Fast die entspannte Haltung eines Schlafenden am Strand.
Aber der Mann schläft nicht. Er ist tot, viele Jahre schon.
Seine Hände sind halb im Schotter verkrallt,
als hätte er noch versucht, sein Abrutschen auf dem Abhang aufzuhalten.
Die Kleidung ist überall aufgerissen.
Um Hüfte, Gesäß und Schenkel wickeln sich Reste eines gerissenen Seiles.
Man sieht erstaunlich wenige äussere Verletzungen,
nach dem Sturz, den er hinter sich gehabt haben muß.
Was aber verstört, ist die Weisse der Haut,
vor allem auf dem entblössten Rücken.
Weiss wie makelloser Marmor, oder Paraffin,
aber erschreckend und verblüffend wie das Weiss des Wals.
Die eisige Kälte in 8100m Höhe und vor allem das körpereigene Fett haben den Leichnam konserviert: eine Fettwachsleiche.
Als sie 1999 gefunden wird, liegt sie dort, in einer Senke unterhalb des Gipfels vom Mount Everest, seit 75 Jahren.
Es ist George Mallory der zusammen mit seinem 22 Jahre jungen Begleiter Andrew Irvine 1924 versucht hatte, erstmals den Gipfel dieses höchsten Berges der Welt zu erreichen. Auf die Frage, warum er dies nun bereits im dritten Versuch innerhalb von 4 Jahren wieder wagen wolle, hatte Mallory, offenbar mit 38 noch immer ziemlich unbekümmert und very british, geantwortet: “weil er da ist.”
Und: “Ich kann mir nicht vorstellen, besiegt herunter zu kommen.”
Zuletzt waren die beiden am 6. Juni 1924 lebend als zwei kleine schwarze Pünktchen am Fuß der Pyramide des Gipfels gesehen worden.
Sie blieben für immer verschollen.
Sie gehörten zu den ersten von ca 100 Opfern, die der Berg mittlerweile gefordert hat, und hinterließen das ungelöste Rätsel, ob sie den Gipfel zuvor erreicht hatten, 29 Jahre vor Sir E. Hillary und Tenzing Norgay, oder schon beim Aufstieg abgestürzt sind.
Heute geht man davon aus, dass sie es nicht geschafft haben. R. Messner bezweifelt sogar, dass sie es überhaupt so weit nach oben geschafft haben , bis angeblich 180m unterhalb des Gipfels, allein schon deswegen, weil sie dies mit ihrer damaligen Ausrüstung gar nicht schaffen konnten. Mallory und Irvine trugen genagelte Schuhe, Tweedhosen- und Jacken, Wollpullover, Baumwollhemden, Kniestrümpfe, sprich: normale , warme Winterkleidung, die vor den Angriffen eisiger Höhenwinde niemals ausreichend Schutz bieten konnten.
Aber diese traditionellen Stoffe britischer Manufakturen aus gewebten Naturfasern , haben, wenn auch erst durch den Sturz, dann durch Sturm und Steinschlag zerfetzt , sogar unter diesen Bedingungen im Windschutz Mallory`s Körper überdauert.
Mallory wurde von denen, die seinen Leichnam gesucht und gefunden hatten, an Ort und Stelle unter Steinplatten begraben. Aber Stücke seiner Kleidung wurden abgetrennt und mitgenommen. Die National Geographic Society gestattete einigen Ausgewählten, diese Reste zu untersuchen.
Zu diesen happy few gehörte der britische Designer Nigel Cabourn, der selber eine Sammlung von ca. 3000 “historischen” Kleidungsstücken besitzt.
Anhand dieser Originalstücke und durch das Studium alter Kataloge und Fotografien
entwirft er zwei mal im Jahr eine neue Kollektion, die sich immer einem Thema , wie z.B. solch einer legendären Himalaya- Expedition , widmet. Nächstes Frühjahr kann ich mich auf seine Reproduktionen der Jackets, Hosen, Hemden, Shorts etc, freuen, die die Engländer in den Tropen, vor allem in Indien getragen haben. Diesen Herbst haben seine Entwürfe nun die Kleidung zum Vorbild, die Mallory und seine Crew 1924 getragen hatten. Wie eigentlich immer, wenn von Nigel Cabourn Neues erscheint, sind seine Nacherschaffungen augenblicklich meine absoluten Favoriten.
Für mich wirken sie wie Nachbilder meiner Phantasien , wenn ich mich als Knirps in meinen eigenen Expeditionen in die exotischen Welten colorierter Stiche alter Folianten oder auf Schokoladenpackungen und Zigarrenkisten meines Grossvaters verloren habe.
Für Mallory`s Sakko und Weste musste z.B. ein spezieller Harris Tweed in der Farbe stone grey extra angefertigt werden, dem Ton des Originals. Die einfachen Baumwoll-Flicken, die sich die Bergsteiger damals auf Schultern und Ellbogen genäht hatten, um dadurch z.B. den Abrieb durch die Tragegurte ihre Rucksäcke zu mildern, hat Cabourn durch den Stoff >Ventile< ersetzt. Dies war das erste wasserdichte Baumwollgewebe ohne Zwischenschicht aus Kautschuk, welches die Navy im 2. Weltkrieg entwickelt hatte, um die Überlebenszeit von Matrosen, die in den kalten Atlantik gefallen waren, von 2 auf 8 Minuten zu erhöhen, was eine höhere Chance ergab, sie noch vor dem Ertrinken durch Bewegungsunfähigkeit zu retten.
Diese farblich abgesetzten Patches verleihen dem Sakko, zusammen mit den großen Blasebalgtaschen und dem Riegel unterm Kinn, eine echt verwegene Anmutung.
Für Irvine`s Rucksackparka, die umwerfende Variante einer Norfolk-Jacke, musste der damalige Stoff aus 50% Baumwollle und 50% Wolle wieder neu gewebt werden. Die Qualität spürt man mit einem einzigen Griff. Der Parka heisst übrigens deshalb Rucksack-Parka, weil dieser direkt integriert ist. In der rechten der beiden langen Dehnfalten auf dem Rücken befindet sich ein Zipper, der einen aufgenähten, rechteckigen Beutel öffnet, auch wieder aus >Ventile<, in den man leichtes Gepäck verstauen kann. Die Kapuze kann man einrollen und in eine dafür vorgesehene Stofffalte verstauen. Geschlossen wird der Parka mit einem Reissverschluß unter der zusätzlichen Knopfleiste, und mit dem teilweise eingenähten Ledergürtel in der Taille gerafft.
Die Herstellung dieser Jacken ist so aufwändig, daß auch immer nur exakt so viele Exemplare angefertigt werden, wie die wenigen Händler weltweit geordert haben.
Die Stückzahl mancher Modelle erreicht so oft nicht mal die Dreistelligkeit.
Leider kann man sie auch nicht nachbestellen. Dafür gibt es dann in der nächsten Saison wieder neue Lieblingsstücke.
Es ist die hingebungsvolle Liebe zu solchen Details, die Nigel Cabourn`s Creationen so erlesen machen. Zusammen mit der bestechenden Verarbeitung in britischen oder japanischen Manufakturen verleiht diese kompromisslose Sorgfältigkeit den Stücken auch eine unkommerzielle Haltbarkeit. So ein Charakterstück wie das Mallory Sakko oder Irvine`s Rucksackparka wird man zudem nie wieder aus seinem Kleiderschrank verbannen. Nicht nur, weil es so lange hält, sondern weil man darin immer, egal welcher Trend gerade herrscht, richtig gut aussieht, dead or alive.
Man verströmt darin die Pheromone anachronistischer Männerabenteuer.
Und wird man angesprochen- man wird angesprochen!- hat man was zu erzählen:
z.B. von Fettwachsleichen in eisigen Höhen.
Nigel Cabourn erhält man z.B. bei >Kentaurus< in Köln

5 Reaktionen zu “Mallory`s Sakko und Irvine`s Rucksackparka von Nigel Cabourn”

  1. Karen Golz

    mal gucken, ob das ankommt….

  2. Boyce Shearn

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