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Liebe Kunden und Wahlverwandte,

Heute las ich in der Tageszeitung, daß der stationäre Einzelhandel immer geringere Anteile am eigentlich florierenden Umsatz verzeichnet, während der Internethandel rapide zunimmt. Der Artikel zitierte die Prognose, daß durch den sich exponentiell vergrössernden Internethandel bis zu zwei Drittel der stationären Händler aufgegen werden müssen. Eine bedrohliche Entwicklung, die auch mich betreffen kann. Immer mehr von uns kämpfen wirklich ums Überleben.

Letztlich leben wir doch alle davon, daß wir Produkte herstellen und/oder verkaufen, oder dienstleistend unsere Geistes- bzw. Muskelkraft anbieten. Ich würde am liebsten all jene, die so ihren Lebensunterhalt verdienen, öffentlich folgende Fragen stellen:

Glauben Sie nicht, daß durch den vom Internethandel noch zusätzlich verschärften und sich immer weiter zuspitzenden Preiskampf auch mittelbar der "Preis" für Ihre Tätigkeit betroffen sein wird? Mit anderen Worten: wenn Jeder bei Jedem spart, wird dann nicht womöglich auch irgendwann bei Ihnen oder an Ihnen gespart werden? Wer wird durch das sich in unserem Kreis drehende Sparen am Ende mehr in der Tasche haben?

Und weiter: Erwarten Sie eher, daß durch die tatsächliche und prognostizierte Geschäftsaufgabe von immer mehr Einzelhändlern und anderen Selbstständigen, die Innenstädte veröden und verwahrlosen werden, oder vermuten Sie eher, daß die entstehenden Leerstände und Freiräume durch neue, interessante Projekte und Ideen von wagemutigen Jungunternehmern gefüllt werden? Die Frage ist deswegen interessant für mich, weil man ja argumentieren kann, daß lediglich obsolete Geschäftsphilosophien mit ihren unbeweglichen, stutzigen Geschäftsinhabern vom Markt gedrängt und durch neue und clevere Konzepte ersetzt werden.

Falls es aber, wie bereits in vielen Klein- und Mittelstädten zu beobachten, zu einer Vernagelung von Schaufenstern bzw. ganzer Geschäftsstrassen kommt, für die sich keine Nachmieter finden: in welchem Verhältnis steht dann für Sie der Gewinn, sich bequem immer mehr Produkte ins Haus liefern lassen zu können, ohne dieses verlassen zu müssen, zu dem Verlust an interessanten und überraschenden Eindrücken und Begegnungen beim Bummel durch die (einst belebte) Innenstadt? Falls Sie zunehmend Waren im Internet bestellen: sehen Sie einen Zusammenhang zwischem Ihrem veränderten Konsumverhalten und den Geschäftsaufgaben vertrauter Einzeländler in Ihrer Umgebung? Und wenn ja: haben Sie das Gefühl, daß Sie das ursächlich etwas angeht? Glauben Sie nicht, daß deren verminderter Wohlstand und verebbende Kaufkraft auf Dauer ihr eigenes Wohlergehen  mittelbar oder gar unmittelbar beeinträchtigen wird? Bedeuten die jeweils aktuellen Preisvorteile für jeden Einzelnen nicht auf Dauer den weit grösseren Nachteil für Alle, da die Profite so häufig unsere Geldkreisläufe verlassen? Wie und wo wollen wir einkaufen? Wer soll den Gewinn dafür verbuchen? Und wo? Wie wollen wir den öffentlichen Raum, wie wollen wir unsere Städte vorfinden und erleben? Wie wollen wir leben?

Meine persönliche Antwort ist nicht moralisch, sondern ökonomisch gemeint:         M.E. fliessen die enormen Gewinne der grossen Konzerne und Ketten nicht mehr in ausreichend verantwortlichem Maße in die für uns alle mehr oder weniger zugänglichen, öffentlichen Lebenswelten zurück. Ich glaube daher, daß wir auf Dauer z.B. gemeinschaftlich einen grösseren Gewinn davon haben, wenn wir u.a. wieder mehr Selbstständigkeit in der Arbeitswelt unterstützen. D.h. wieder öfter bei Menschen einkaufen oder diese mit Aufgaben beauftragen, die für sich auf eigene Rechnung und risikovolle Verantwortung arbeiten. Auch wenn wir dabei teilweise auch etwas höhere Preise zahlen, so glaube ich, daß der damit verbundene Gewinn an Würde für beide Seiten auch finanziell einen Mehrwert bedeuten wird. Nicht nur im unmittelbat eigenen Interesse als Einzelhändler vertrete ich die Ansicht, daß wir gemeinsam all jene in ihrer unternehmerischen Selbstständigleit unterstützen sollten, um dort, wo es sich vermeiden lässt, zu verhindern, daß sie diese aufgeben müssen um sich als Angestellte in die Hände grosser Konzerne zu begeben, die allzu oft ihren Gewinn an Orten verbuchen, wo der grösste Teil der Gesellschaft nichts oder wenig davon haben wird. Früher hatte jeder kleine Ort seinen Drogeristen. Heute gibt es überall nur Kettenglieder. Und Amazon klingt für mich nach Ameise. Niemand, der im Internet Waren bestellt, ist für diese Entwicklung ein Verantwortlicher. Aber er trägt dazu bei und ist somit " Täter". Und Mehr und Mehr werden zu Opfern.

 

 

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Am 3.4. sind wir mit allen Männerwaren in den neuen Laden Albertusstrasse 16 umgezogen. So finden die Herren jetzt dort alles, wonach sie bei mir suchen, unter einer Adresse. Den bisherigen Laden mit der Nr. 4 bestücken wir mit allen Produkten für die Ladies und mit dem Archiv, also den runtergesetzten Exemplaren aus zurück liegenden Kollektionen

Jene, die die pralle Fülle im bisherigen Laden so geschätzt haben, weil sie dort stöbern und entdecken konnten, werden im Basement des neuen Ladens eine vertraute Atmosphäre wiederfinden, die sie hoffentlich über meine Entscheidung und den "Verlust" (besser: Umzug) eines lieb gewonnenen Refugiums hinweg trösten wird. Die oberen Räume behalten (so lange wie möglich) den luftigeren Charakter, wo die feineren Stoffe mehr Platz zum Atmen haben. Und auf gleicher Ebene im hinteren Raum bilden die angeleinten Pferdelederjacken von Aero den angemessen stoischen Hintergrund für allerlei Aktivitäten um den Billard- und Tischtennistisch herum - ab Einbruch der Dämmerung moderat alkoholisiert durch ein mittlerweile ansehnlich erweitertes Sortiment an Whiskys. 

Das neue Geschäft in der Albertusstrasse Nr. 16 wird von Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr geöffnet sein und am Samstag von 11 bis 18 Uhr. Den alten Laden Nr. 4 werden wir vorest wochentags nur von 14 bis 19 Uhr und an den Samstagen ebenfalls von 11 bis 18 Uhr öffnen.

Herzlichen Gruß

Stefan Laskowski

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