Merz bei Schwanen

„Als er sie oben mit dem Tablett vor der Brust auf die Veranda treten sah, brach er den Schwung ab, ließ die Axt  locker in die Kante des Holzblocks fallen und stemmte beide Hände in den Rücken, um sich zu dehnen. Die Nacht sollte frostig werden, aber die Menge an Scheiten dürfte nun reichen, die Hütte über dies Wochenende warm zu halten. Obwohl die Sonne an diesem dunstigen Abend schon hinter den Wipfeln der nahen Tannen verschwunden war,  strömte ihm der Schweiss  Schläfen und Wangen herunter und durchnässte sein aufgeknöpftes Unterhemd. Als sie vor ihm stand,  nahm er ihr  dankbar das volle Glas aus den Händen und trank  so gierig in grossen Schlücken, dass ihm das Bier den Hals herunter rann, sich mit dem Schweiss,  Staub und feinen Holzsplittern in der Kuhle sammelte und dann wie trüber Tau von seinen Brusthaaren tropfte.“
 
Gute Nachrichten, nicht nur für Landfrauen oder Flintenweiber, Pilgrim-Mothers oder Proletarierinnen, sondern alle Mädels, die auf verspielte oder wilde Kerle stehen:
Es gibt wieder Wäsche, in denen  Männer schwitzen, schlabbern und sich mit Motoröl beschmieren dürfen, und trotzdem gut aussehen.
Genauer gesagt: Unter-Wäsche!
Peter Plotnicki  aus Berlin haucht, mit seiner Liebe zum Echten und Urtümlichen, einer traditionellen, deutschen Textilfirma wieder neues Leben ein: die Firma Balthasar Merz b. Schwanen wurde 1911 auf der Schwäbischen Alb gegründet, musste aber leider 2008 den Betrieb einstellen.
Unter dem alten Namen > Merz b. Schwanen< lässt er nun aber wieder die originale Arbeiterwäsche aus den 20er und 30er Jahren produzieren, und zwar  bis ins letzte Detail wie Knöpfe, Bündchen, Etiketten, Verpackung usw.,   ausschliesslich und komplett wieder auf der Alb. Dabei werden diese „altdeutschen“ Trikotwaren  auf den originalen, noch gut erhaltenen Rundstühlen gewebt, zum Teil nach den alten Schnitten und Mustern.
Die Besonderheit dabei ist, dass die Hemden und T-Shirts durch diese Rundstricktechnik ohne Seitennähte hergestellt werden, was sie besonders bequem macht. Zudem werden sie aus reinen, 2 bis 3 fädigen Baumwollgeweben hergestellt, mit einem Gewicht zwischen 230 und 360 Gramm/qm, also aus ungewöhnlich schweren, warmen und dabei angenehm weichen Stoffen.
Die alten Strickmaschinen verursachen, so wie damals, vereinzelt „Unregelmässigkeiten“ im Gewebe, wobei wir dies aber heute nicht mehr für grob und mangelhaft halten, sondern gerade diesen urwüchsigen Charakter schätzen, den „vintage look“, zumal es an der  langen Haltbarkeit der Stoffe nichts ändert.
Früher war längst nicht alles besser, aber manche Dinge eben doch unübertrefflich gut.
Ausserdem verstehen wir jetzt wieder besser, warum Grossmutter damals den Entschluss fasste ihren Ernst zu heiraten, als sie ihn an einem feuchten Herbstabend im Unterhemd Holz hacken sah.