Bob Dylan wird 70

Oh, Bob Dylan.
Er steht für eine weitere Lücke in meinem Leben.
Manch Grosses geht einfach an mir vorbei.
Wieder mal gehör ich einer Gemeinschaft nicht an:
der, der Dylon-Verehrer und Bewunderer.
Die >Zeit< schreibt von: ” Jüngern”.
Ich gehör nicht dazu.
Nicht aus Prinzip, oder in einer selbstgefälligen Pose des Nonkonformisten,
des kundigen Verweigerers oder Besserwissers,
der allem Populären misstraut, der, als ganz besonders Eingeweihter,
Begeisterung nur für die unscheinbaren Blüten auf verborgenen Seitenwegen findet und fordert.
Ich besitze sogar einige Platten und CDs von Dylon.
Ich habe sie auch gehört. Mehrmals. Gute Musik.
Aber so richtiges Interesse habe ich nie an Dylon entwickelt.
Mein Unbehagen hat einen ganz einfachen Grund:
wie soll ich einem Mann folgen, den ich nie habe lächeln sehen?
Für den es im Leben -jedenfalls öffentlich sichtbar gemacht- scheinbar Nichts zu(m) Lachen gibt?
Warum blickt der immer so finster?
” and than I saw a darkness…”.
Immer?
Als liefe der freundlich-verbindliche Blick schon Gefahr einer Vereinnahmung.
Dadurch verhakt sich in mir jede Bereitschaft zu weitreichendem Interesse, geschweige denn Bewunderung.
Natürlich ist dies eine Aussage über mich, und nicht über Dylons Qualität und Bedeutung.
Mut zur Lücke. Oder Irrtum.
Scorsese hat ja angeblich nun ein Lächeln von ihm eingefangen,
und wird es hoffentlich für die Öffentlichkeit sichtbar machen.
Vielleicht wird mich das endlich so milde stimmen,
wie Dylon nie in die Kamera geschaut hat.

Eine Reaktion zu “Bob Dylan wird 70”

  1. Hermann

    Hallo,
    es ist absolut verständlich,dass man kein Fan von Bob Dylan sein muss,wenn man ihn ausschliesslich nach seiner Musik bewertet-aber er ist einer der Personen,die uns in den frühen 60igern den Weg geebnet haben und uns dabei geholfen haben einem autoritären Elternhaus und einer prügelnden Schule zu entfliehen.Als ich 1963 auf das Gymnasium kam existierte zum Beispiel ein rigoroses”Jeansverbot”(damals Nietenhose) und man kann es kaum glauben,dass einige Oberprimaner ihr Abitur riskierten,weil sie trotzdem in Jeans in der Schule
    erschienen.Ich denke Bob Dylan hat seinen Teil zur Jugendbefreiung beigetragen
    und wenn auch nur,dass wir die Chance haben solch tolle Hosen zu tragen.
    schönen Gruß
    Hermann

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