Paulo Coelho`s Hilfe bei Lebenskrisen und praktischen Alltagsproblemen

18. Oktober 2011

Wenn ich mal gute Einfälle habe, dann meist unter der Dusche.
Wahrscheinlich liegt es an diesem entrückten Zustand relaxten Dösens,
bei dem meine geistigen Kräfte, die mir eigentlich innewohnen, vorübergehend mal der drosselnden Kontrolle des ehrgeizigen Wollens entgleiten und ins verdutzte Bewusstsein sickern.
Aber auch die Gespräche mit guten Freunden unter der Dusche, z.B. nach einem Tennismatch ,
führen nicht selten zu fortschrittlichen Einsichten und beglückenden Übereinstimmungen.
Zur Lockerheit des Gespräches trägt hier bei, daß man, mit männlicher Diskretion, nicht permanent den Anblick des Anderen sucht, der , genauso mit seiner Körperpflege beschäftigt wie man selbst, mal mit dem Kopf im Nacken, mal mit dem Kinn auf der Brust, sich unter dem Wasserstrahl drehend und wendend , eher in den hallenden Raum hinein spricht als in das Antlitz seines nackten Gesprächspartners. So nehmen diese Dialoge eher den assoziativ mäandernden und eigendynamischen Verlauf eines Selbstgespräches, und da sie auf nichts wirklich zielen, treffen sie verspielt oft umso besser als manch ambitionierte Diskussion.
Mein Freund und Tennispartner, mit dem ich mich gestern in solch entspannter Situation befand, war nun gerade auf der Buchmesse in Frankfurt gewesen, und hatte bereits auf der Autobahn riesige Plakate, die Autobahn überspannend, wahrnehmen müssen, die den neuen Roman von Paulo Coelho ankündigten, quasi wie das Ziel-Banner bei einem Autorennen.
( Bei diesem Vergleich fällt mir auf, obwohl ich jetzt nicht unter der Dusche stehe, wie leicht dieses Wort ” Autorennen” zu ” Autorenrennen” mutieren kann, lediglich erweitert durch die Silbe ” ren”, das wiederum ein schnelles Tier bezeichnet, dessen Namen zu schnell ausgesprochen leicht zu “Renntier” wird, was wiederum Sinn macht in Bezug auf….. lassen wir das!)
Bei dem Namen dieses Autors unterbrach ich meine Waschung wie ein durch ein verdächtiges Geräusch innehaltendes Reh, das für eine Weile seine mechanischen Kaubewegungen einstellt, den Kopf hebt und in die Richtung der Bedrohung äugt.
“Paulo Coelho? Von ihm stammte das bisher einzige Buch das ich nach zehn Seiten angewidert in die Ecke gepfeffert und dann als Ausgleich einer Bodenunebenheit unter dem Schlafzimmerschrank verwendet habe.”.
Mein Partner stiess nach dieser ehrlichen, aber auch frevelhaften Äusserung in entzückter Zustimmung einen schrillen Schrei der Freude aus.
Dazu sei zu seiner Verteidigung gesagt, daß er eigentlich ein wahrhafter Büchernarr ist, der pausenlos Empfehlungen rechtschaffen unbekannter Autoren ausspricht, also ein Mann mit allergrösstem Respekt vor diesem Medium, zumal er selber bereits ein Buch veröffentlicht hat und für sein zweites z.Z. einen Verleger sucht.
Ich will an dieser Stelle auch noch kurz erwähnen, daß er mit einem rumänischen Akzent spricht, was seinen literaturkritischen Bemerkungen irgendwie noch ein höheres Gewicht und zusätzliche Bedeutung verleiht, vielleicht durch diese extreme Dehnung mancher Silben an entscheidenden Punkten seiner Aussagen.
” Genau” jauchzte er, ” bei mir hat das Buch eine ähnliche Verwendung gefunden, und zwar in einem Spalt zwischen unserer Waschmaschine und einer darüber liegenden Platte, die immer klapperte und rumorte, wenn die Maschine schleuderte, bis ich mit diesem Buch das Vibrieren dämpfen konnte, weil es exakt in diesen Spalt passte.”
Wir hatten beide unseren Coelho-Roman geschenkt bekommen. Meiner hiess ” Der Zefir”,
und war mir überreicht und wärmstens ans Herz gelegt worden von einem Bekannten, dem dieses Buch in einer kummervollen Lebensphase sehr geholfen hatte. Es hatte ihm wieder eine zuversichtliche Orientierung aufgezeigt.
Auch ich befand mich damals in einer labilen Lage, da mir den Boden unter den Füssen weg gezogen worden war. Mein Bekannter versicherte mir, daß dieses Buch genau meine Situation schildern, aber auch heilsam die Augen öffnen würde.
In gewisser Weise tat es das auch, obwohl ich nur die nahezu homöopathische Dosis von zehn Seiten zu mir genommen hatte.
Ein bis zwei Jahre nach der schmerzhaften Erschütterung meiner Lebensbedingungen fand ich irgendwann, wenn auch auf andere Weise, neuen Mut, der mich auch wieder die Initiative ergreifen ließ, nach schönen Frauen Ausschau zu halten, um sie für mich einzunehmen.
Dabei zeigte die Literatur von Coelho manchmal tatsächlich eine Art therapeutisch-prophylaktische Wirkung, die ich für mich zu nutzen wusste, um mich vor weiteren schmerzhaft enttäuschenden,wenn auch gänzlich anderen Erfahrungen zu schützen.
Denn mein Tennispartner und ich fanden zu einer weiteren Übereinstimmung, die unsere Freundschaft festigen wird, daß man nämlich Paulo Coelho nicht nur wegen der oben geschilderten Nützlichkeit seiner Bücher dankbar sein kann, sondern auch wegen einer anderen, die mir persönlich z.B. bei meinen Bemühungen auf der Suche nach einer neuen Partnerin zur Hilfe kam.
Es handelte sich um den Vorteil der Abkürzung, oder, anders ausgedrückt:
Coelho hilft zu vermeiden, den Samen ernsthafter Minne auf unfruchtbarem Boden zu verstreuen.
Ich hatte mir die Taktik angewöhnt, bereits bei einem ersten Date mit verschiedenen Rendesvous-Partnerinnen den Namen dieses Autors beiläufig zu erwähnen, um durch die Reaktion der anderen Seite meinen weiteren Einsatz zu bedenken.
Auch wenn wir beide unseren Coelho-Roman von einem männlichen Leser geschenkt bekommen hatten, so besteht doch der grösste Teil der Leserschaft dieses sanftäugigen Frauenverstehers aus weiblichen Verehrerinnen, und von diesen der grösste Teil vermutlich mit eher esotherischen als naturalistischen Ansichten, heil- und sinnsuchend um sich selbst kreisend in psychologischen Endlosschleifen.
Als angeschlagener Mann, mitten in der Renaissance seines männlichen Selbstbewusstseins,
auf der Suche nach diesseitiger Sinnlichkeit sollte man den dauerhaften Kontakt, bzw. unausweichlichen Konflikt mit solchen Damen eher vermeiden.
Man konnte also manche meiner Verhaltensweisen vergleichen mit meinem sofortigen inneren Rückzug, den ich vor langer Zeit von einem anderen Bekannten angetreten habe. Ein bis dahin für mich recht normal und belastbar anmutender Nachbar. Bis er mir eines Tages schilderte, wie er als Mitglied in einem religiösen Zirkel bekehrter Zeuge einer Wunderheilung geworden war. Der Führer dieser evangelikalen Gruppe hatte an jenem Abend angekündigt, daß Gott bei dieser Zusammenkunft Rückenleiden heilen wolle. Daraufhin hätten sie mit vereinten Kräften gebetet und dann alle mit angesehen, wie das extrem verkürzte Bein einer bis dahin bemitleidenswerten Frau innerhalb von Minuten um 10 cm ! gewachsen wäre, quasi aus dem Unterschenkel heraus. Hallelujah!
Von da an hatte ich ein Kommunikationsproblem mit diesem Nachbarn. Ganz leise. Nur für mich, unausgesprochen, bei weiterhin aufrecht erhaltender Höflichkeit. Von da an mit aristokratischer Distanz des Small-Talk, jede vermeintlich mögliche innere Aufruhr meines Nachbarn vermeidend.
Man soll ja die Anderen respektieren.
Und schonen.
Selbst die, die schon mal in Ufos mitgenommen worden sind oder des nachts in ihrem Kopf hören, wie sie wieder von den Hügeln senden.
” Jeder Jeck is anders”, heisst es in Köln.
Paulo Coelho ist auch anders.
Und er ist so reich und erfolgsverwöhnt, daß er meinen kleinen, persönlichen Dank ja gar nicht braucht. Aber mir hat er eben zu diesem ” Lakmus-Test” in zwischenmenschlichen Dingen verholfen.
Und damit so manche Irritationen verhindert.
Auf beiden Seiten.
Das ist doch nicht wenig.

Bob Dylan wird 70

20. Mai 2011

Oh, Bob Dylan.
Er steht für eine weitere Lücke in meinem Leben.
Manch Grosses geht einfach an mir vorbei.
Wieder mal gehör ich einer Gemeinschaft nicht an:
der, der Dylon-Verehrer und Bewunderer.
Die >Zeit< schreibt von: ” Jüngern”.
Ich gehör nicht dazu.
Nicht aus Prinzip, oder in einer selbstgefälligen Pose des Nonkonformisten,
des kundigen Verweigerers oder Besserwissers,
der allem Populären misstraut, der, als ganz besonders Eingeweihter,
Begeisterung nur für die unscheinbaren Blüten auf verborgenen Seitenwegen findet und fordert.
Ich besitze sogar einige Platten und CDs von Dylon.
Ich habe sie auch gehört. Mehrmals. Gute Musik.
Aber so richtiges Interesse habe ich nie an Dylon entwickelt.
Mein Unbehagen hat einen ganz einfachen Grund:
wie soll ich einem Mann folgen, den ich nie habe lächeln sehen?
Für den es im Leben -jedenfalls öffentlich sichtbar gemacht- scheinbar Nichts zu(m) Lachen gibt?
Warum blickt der immer so finster?
” and than I saw a darkness…”.
Immer?
Als liefe der freundlich-verbindliche Blick schon Gefahr einer Vereinnahmung.
Dadurch verhakt sich in mir jede Bereitschaft zu weitreichendem Interesse, geschweige denn Bewunderung.
Natürlich ist dies eine Aussage über mich, und nicht über Dylons Qualität und Bedeutung.
Mut zur Lücke. Oder Irrtum.
Scorsese hat ja angeblich nun ein Lächeln von ihm eingefangen,
und wird es hoffentlich für die Öffentlichkeit sichtbar machen.
Vielleicht wird mich das endlich so milde stimmen,
wie Dylon nie in die Kamera geschaut hat.

Musik für Melancholiker des 21. Jahrhunderts

11. Januar 2011

Hier mein favorisiertes Beschallungs-Repertoire für einen liebevollen Abend zu zweit!
In alphabetischer Reihenfolge:

Ergänzung vom Januar 2012:
Album: Hauschka: Salon des Amateurs

Ergänzung im Oktober 2011:
tolle Alben:
Brian Eno: drums between the bells
sanfte Stimmen stecken Dir die Zunge ins Ohr
Tinariwen: Tassili
hypnotische Männergesänge unter dem nächtlichen Himmel in der Wüste,
kreiselnde Gitarrenläufe über lässigen Rhytmen: desert blues

Ergänzungen ab Mai 2011

The Kills the last goodbye
Antony & Bryce Dessner I was young when I left home
My Brightest Diamond feeling good
Anna Calvi rider to the sea
James Blake the wilhelm sream
Wye Oak civilian
Ronny Tour last time

erste Liste bis Mai 2011:

Interpret Titel

ABBC gilbert
Aldo Romano annobon
Alela Diane pirate`s gospel
Alela Diane white diamonds
Ane Brun this voice
Animal Collective leaf house
Archive good bye
Arthur & Yu 1000 words
Astor Piazolla cancion de las venusianas
Astor Piazolla preludio para la cruz del sur
Beth Gibbons mysteries
Beth Gibbons show
Bill Callahan night
Bonnie Prince Billy newbury
Calexico above the branch
Calexico over your shoulder
Calexico minas de cobra
Cat Power lived in bars
Clem Snide nick drake tape
Clem Snide moment in the sun
Devendra Banhart lazy butterfly
Elbow station approach
Emiliana Torrinni fisherman`s woman
Emiliana Torrini today has been okay
Esbjörn Svenson Trio ( EST) believe, beleft, below
Euros Child my love is gone
Gary Jules mad world
Get Well Soon people magazine front cover
Giant Sand inner flame
Gonzales manifesto (komplett: solo piano)
Gustavo Santaollala deportivo/ Iguaza ( ” babel”)
Hederos & Hellberg together in the darkness
Hermann Düne when we were still friends
Hermann Düne my home is nowhere without you
Hot Chip look at me
I am Kloot because
I am Kloot no fear of falling
Isobell Campbell & Mark Lanegan revolver
Johnny Cash the first time ever i saw your face
Julie Doiron tailor
Junip chickens
Junip azaleadalen
Junip the ghost of tom joad
Ken Stringfellow for your sake
Laura Veirs shadow blues
Laura Veirs rapture
Low Anthem to ohio
Lucky Jim you stole my heart away
Lucky Jim you`re lovely to me
Menomena oh pretty boy, you`re such a big boy
Micah P. Hinson beneath the rose
Micah P. Hinson don´t you
Mice Parade and still it sits in front of you
The Miserable Rich pisshead
The Miserable Rich chestnut sunday
The National all dolled-up in straps
The National fake empire
Nick Cave into my arms
Nick Cave brompton oratory
Noir Desire le vent nous portera
Nouvelle Vague a manner of speaking
Papa M the unquiet grave
Port O´Brien alive for nothing
Port O`Brien fisherman`s son
Richard Buckner firsts
Robert Forster demon days
Six Organs of Admittance the desert is a circle
Sixteen Horsepower flutter
Sixteen Horsepower outlaw song
Sophie Zelmani so long ( aranjuez version)
Sophie Zelmani going home
Stuart A. Staples that leaving feeling
Wave Pictures canary wharf
Woven Hand bible and birds

Iron Heart 804 Double Knee Locker, 23 oz, brown

10. November 2010

These pants are made for walking: alone!
http://www.kentaurus.de/weblog/wp-content/uploads/p1010638.thumbnail.jpg

Unglaublich! Warum macht man solche Hosen?
Wer soll die anziehen? Wer kann die überhaupt anziehen?
Ich meine physisch, körperlich? Wer ist so fit, so gelenkig, so mutig?
Das geht eigentlich nur, wenn man die Jeans in die Mitte des Raumes stellt,
sich selbst mit dem Flaschenzug unter die Decke hievt und dann langsam von oben mit steifen Beinen herablässt.

Kommt natürlich aus Japan. Der Jeansstoff wiegt 23 Unzen ( zum Vergleich: eine “normale” Jeans hat 11 Unzen!).
Aber das war den Iron Hearts noch nicht eisern genug: die Oberschenkel sind zusätzlich durch eine doppelte Lage verstärkt.
Die sind wahrscheinlich der Ansicht, daß man eine Arbeitshose auch als konstruktiven Baustoff verarbeiten können muss,
wenn einem die Bretter ausgehen.
Eine 23oz Jeans wär allein schon unglaublich stabil, schwer und steif:
the toughest jeans of the world.
Was die aber wirklich so “beinhart” macht, ist die Tatsache, daß der Stoff komplett in Paraffin getaucht wird.
Macht die Bux natürlich wasserdicht.
Stiff Stuff für Biker, die nur bis zum Moped zu Fuß gehen.
Iron Heart hat die Produktion davon auch stark eingeschränkt.
Ich habe nur 7 Stück davon bekommen.
Begründung: war nicht so einfach, die zu nähen!

Mallory`s Sakko und Irvine`s Rucksackparka von Nigel Cabourn

29. September 2009

Der Mann liegt langgestreckt auf dem Bauch,
Gesicht nach unten, die Arme greifen angewinkelt nach vorne.
Der rechte Fuß ruht auf der linken Ferse.
Fast die entspannte Haltung eines Schlafenden am Strand.
Aber der Mann schläft nicht. Er ist tot, viele Jahre schon.
Seine Hände sind halb im Schotter verkrallt,
als hätte er noch versucht, sein Abrutschen auf dem Abhang aufzuhalten.
Die Kleidung ist überall aufgerissen.
Um Hüfte, Gesäß und Schenkel wickeln sich Reste eines gerissenen Seiles.
Man sieht erstaunlich wenige äussere Verletzungen,
nach dem Sturz, den er hinter sich gehabt haben muß.
Was aber verstört, ist die Weisse der Haut,
vor allem auf dem entblössten Rücken.
Weiss wie makelloser Marmor, oder Paraffin,
aber erschreckend und verblüffend wie das Weiss des Wals.
Die eisige Kälte in 8100m Höhe und vor allem das körpereigene Fett haben den Leichnam konserviert: eine Fettwachsleiche.
Als sie 1999 gefunden wird, liegt sie dort, in einer Senke unterhalb des Gipfels vom Mount Everest, seit 75 Jahren.
Es ist George Mallory der zusammen mit seinem 22 Jahre jungen Begleiter Andrew Irvine 1924 versucht hatte, erstmals den Gipfel dieses höchsten Berges der Welt zu erreichen. Auf die Frage, warum er dies nun bereits im dritten Versuch innerhalb von 4 Jahren wieder wagen wolle, hatte Mallory, offenbar mit 38 noch immer ziemlich unbekümmert und very british, geantwortet: “weil er da ist.”
Und: “Ich kann mir nicht vorstellen, besiegt herunter zu kommen.”
Zuletzt waren die beiden am 6. Juni 1924 lebend als zwei kleine schwarze Pünktchen am Fuß der Pyramide des Gipfels gesehen worden.
Sie blieben für immer verschollen.
Sie gehörten zu den ersten von ca 100 Opfern, die der Berg mittlerweile gefordert hat, und hinterließen das ungelöste Rätsel, ob sie den Gipfel zuvor erreicht hatten, 29 Jahre vor Sir E. Hillary und Tenzing Norgay, oder schon beim Aufstieg abgestürzt sind.
Heute geht man davon aus, dass sie es nicht geschafft haben. R. Messner bezweifelt sogar, dass sie es überhaupt so weit nach oben geschafft haben , bis angeblich 180m unterhalb des Gipfels, allein schon deswegen, weil sie dies mit ihrer damaligen Ausrüstung gar nicht schaffen konnten. Mallory und Irvine trugen genagelte Schuhe, Tweedhosen- und Jacken, Wollpullover, Baumwollhemden, Kniestrümpfe, sprich: normale , warme Winterkleidung, die vor den Angriffen eisiger Höhenwinde niemals ausreichend Schutz bieten konnten.
Aber diese traditionellen Stoffe britischer Manufakturen aus gewebten Naturfasern , haben, wenn auch erst durch den Sturz, dann durch Sturm und Steinschlag zerfetzt , sogar unter diesen Bedingungen im Windschutz Mallory`s Körper überdauert.
Mallory wurde von denen, die seinen Leichnam gesucht und gefunden hatten, an Ort und Stelle unter Steinplatten begraben. Aber Stücke seiner Kleidung wurden abgetrennt und mitgenommen. Die National Geographic Society gestattete einigen Ausgewählten, diese Reste zu untersuchen.
Zu diesen happy few gehörte der britische Designer Nigel Cabourn, der selber eine Sammlung von ca. 3000 “historischen” Kleidungsstücken besitzt.
Anhand dieser Originalstücke und durch das Studium alter Kataloge und Fotografien
entwirft er zwei mal im Jahr eine neue Kollektion, die sich immer einem Thema , wie z.B. solch einer legendären Himalaya- Expedition , widmet. Nächstes Frühjahr kann ich mich auf seine Reproduktionen der Jackets, Hosen, Hemden, Shorts etc, freuen, die die Engländer in den Tropen, vor allem in Indien getragen haben. Diesen Herbst haben seine Entwürfe nun die Kleidung zum Vorbild, die Mallory und seine Crew 1924 getragen hatten. Wie eigentlich immer, wenn von Nigel Cabourn Neues erscheint, sind seine Nacherschaffungen augenblicklich meine absoluten Favoriten.
Für mich wirken sie wie Nachbilder meiner Phantasien , wenn ich mich als Knirps in meinen eigenen Expeditionen in die exotischen Welten colorierter Stiche alter Folianten oder auf Schokoladenpackungen und Zigarrenkisten meines Grossvaters verloren habe.
Für Mallory`s Sakko und Weste musste z.B. ein spezieller Harris Tweed in der Farbe stone grey extra angefertigt werden, dem Ton des Originals. Die einfachen Baumwoll-Flicken, die sich die Bergsteiger damals auf Schultern und Ellbogen genäht hatten, um dadurch z.B. den Abrieb durch die Tragegurte ihre Rucksäcke zu mildern, hat Cabourn durch den Stoff >Ventile< ersetzt. Dies war das erste wasserdichte Baumwollgewebe ohne Zwischenschicht aus Kautschuk, welches die Navy im 2. Weltkrieg entwickelt hatte, um die Überlebenszeit von Matrosen, die in den kalten Atlantik gefallen waren, von 2 auf 8 Minuten zu erhöhen, was eine höhere Chance ergab, sie noch vor dem Ertrinken durch Bewegungsunfähigkeit zu retten.
Diese farblich abgesetzten Patches verleihen dem Sakko, zusammen mit den großen Blasebalgtaschen und dem Riegel unterm Kinn, eine echt verwegene Anmutung.
Für Irvine`s Rucksackparka, die umwerfende Variante einer Norfolk-Jacke, musste der damalige Stoff aus 50% Baumwollle und 50% Wolle wieder neu gewebt werden. Die Qualität spürt man mit einem einzigen Griff. Der Parka heisst übrigens deshalb Rucksack-Parka, weil dieser direkt integriert ist. In der rechten der beiden langen Dehnfalten auf dem Rücken befindet sich ein Zipper, der einen aufgenähten, rechteckigen Beutel öffnet, auch wieder aus >Ventile<, in den man leichtes Gepäck verstauen kann. Die Kapuze kann man einrollen und in eine dafür vorgesehene Stofffalte verstauen. Geschlossen wird der Parka mit einem Reissverschluß unter der zusätzlichen Knopfleiste, und mit dem teilweise eingenähten Ledergürtel in der Taille gerafft.
Die Herstellung dieser Jacken ist so aufwändig, daß auch immer nur exakt so viele Exemplare angefertigt werden, wie die wenigen Händler weltweit geordert haben.
Die Stückzahl mancher Modelle erreicht so oft nicht mal die Dreistelligkeit.
Leider kann man sie auch nicht nachbestellen. Dafür gibt es dann in der nächsten Saison wieder neue Lieblingsstücke.
Es ist die hingebungsvolle Liebe zu solchen Details, die Nigel Cabourn`s Creationen so erlesen machen. Zusammen mit der bestechenden Verarbeitung in britischen oder japanischen Manufakturen verleiht diese kompromisslose Sorgfältigkeit den Stücken auch eine unkommerzielle Haltbarkeit. So ein Charakterstück wie das Mallory Sakko oder Irvine`s Rucksackparka wird man zudem nie wieder aus seinem Kleiderschrank verbannen. Nicht nur, weil es so lange hält, sondern weil man darin immer, egal welcher Trend gerade herrscht, richtig gut aussieht, dead or alive.
Man verströmt darin die Pheromone anachronistischer Männerabenteuer.
Und wird man angesprochen- man wird angesprochen!- hat man was zu erzählen:
z.B. von Fettwachsleichen in eisigen Höhen.
Nigel Cabourn erhält man z.B. bei >Kentaurus< in Köln

Inglourious Basterds in heavy leather

10. September 2009

Man mag von dem neuen Tarantino-Film halten was man will-
( durch eine zunehmende Alters-Empfindlichkeit bleibt mir bei dieser Art von Unterhaltung immer öfter das Lachen im Halse stecken)-
aber die Klamotten der Basterds , vor allem die zweireihigen Kurzmäntel aus Leder, sind genial.
Und wo bekommt man diese Rüstungen?
Natürlich bei mir, bei Kentaurus in Köln auf der Albertusstrasse 24.
Pitt und Co tragen die gegürteten > Barnstormer< der tollkühnen Piloten des Flying Circus aus den 20er Jahren.
Ich importiere diese Jacken aus Schottland, gefertigt von der Manufaktur Aero aus schwerem, amerikanischem Pferdeleder.
Alles Andere ist Wäsche.
Und die schweren Stiefel kann man auch bei mir kaufen:
wildschweinbissfest, aus 5mm starken, geöltem Schweizer Bergschuhleder.

Mein I-Phone: gestohlen!

4. Juni 2009

Am Samstag, den 23. Mai, saß ich in der Sonnenwärme des frühen Nachmittages auf der Bank vor meinem Laden,
als mir plötzlich in den Sinn kam, wo sich die abmontierten Fussrasten meiner MV Agusta noch befinden konnten,
die ich am Vormittag schon mehrfach vergeblich in meinem hinteren Raum gesucht hatte.
Die Straße war zu diesem Zeitpunkt nahezu menschenleer,
denn an diesem, beinahe schon heiss zu nennenden Samstag,
hatten es die Kölner wohl vorgezogen, ins Grüne am Rand der Stadt zu fahren , oder sich in Biergärten oder Strassencafes nieder zu lassen,
statt durch Seitenstraßen der City zu bummeln.
So stand ich, meiner plötzlichen Eingebung folgend, schnurstracks auf,
legte meine Sonnenbrille und die Zeitung auf meinen Tisch im Verkaufsraum
und ging für 1-2 Minuten in den hinteren Raum, um festzustellen,
daß ich meine Fussrasten am vermeintlichen Ort auch nicht deponiert hatte.
Als ich also nach kürzester Zeit wieder nach vorne kam, fiel mir sofort auf,
daß dort, wo mein zwei Wochen altes I-Phone auf dem Glastisch gelegen hatte,
eine Leerstelle war.
So leer, wie das Innere einer Kreideumrisslinie auf dem Asphalt.
Eine klaffende Wunde in meiner privaten Ordnung der Dinge.
Ich sah es, begriff sofort, und wollte es nicht wahrhaben.
Also ging ich sofort wieder nach hinten, in der Hoffnung,
es mitgenommen und beim Kramen irgendwo geistesabwesend abgelegt zu haben.
Nirgends!
Ich nahm nur Minuten später das Festnetztelefon und rief meine Handynummer an.
Nichts!
Schweigen.
Okay, ich könnte ja aus Versehen an den Schalter gekommen sein, der das Klingeln verstummen lässt.
Aber in meinem Telefonhörer war nicht mal ein Anrufzeichen zu hören.
Ich lief noch einige Male in zunehmender Verzweiflung hin und her,
bis meine erfolglose Suche nur eine Gewißheit zuließ:
Mir ist mein neues I-Phone geklaut worden!
Schande!
Scheisse!
Welch ein Pech!
Was für ein Zufall!
Es war Niemand auf der Straße zu sehen gewesen, der sich meinem Laden näherte,
als ich von der Bank aufgestanden war.
Und die Wahrscheinlichkeit ist äusserst gering, daß mich jemand beobachtet hat.
Diese(r) Lauernde wäre mir aufgefallen.
Und wenn, woher sollte diese(r) wissen, daß ich in den hinteren, und nicht einfach in den vorderen Raum gehen würde,
wie sonst immer, wenn ich von meiner besonnten Gartenbank aufstehe.
Nein! Das muß eine Gelegenheitsdiebstahl gewesen sein.
Es ist genau in den paar Minuten, als ich hinten die Rasten suchte, jemand vorbei gekommen,
der das I-Phone mit einem beiläufigen Seitenblick auf dem Tisch
in sein dinghaftes Schweigen versunken, fluchtunfähig liegen sah,
den augenblicklich ein raubtierisches Begehren inne halten ließ,
dessen Instinkte blitzschnell eine Möglichkeit witterten , eine Gelegenheit, schnelle Beute zu machen,
und der dann auch noch die Chuzpe hatte,
diesem Impuls zu folgen,
diesen dreisten und wagemutigen Diebstahl auch zu begehen!
Der nur kurz in den Laden gehuscht ist, und nur dies I-Phone, nichts Anderes, blitzschnell an sich genommen hat und flink abgehauen ist.
Oder vielleicht war es einer, der eigentlich mit der harmlosen Absicht, etwas kaufen zu wollen, z.B. ein T-Shirt von Johnson Motors,
in den Laden getreten ist, und statt dessen die “Gunst” des Augenblickes, den Laden unbewacht vorzufinden, kaltschnäuzig asozial genutzt hat.

Wenn ich früher schon mal kurz, bei naiv vertrauensseelig geöffneter Tür, nach hinten gegangen bin,
und in diesem Moment jemand in den Laden getreten ist,
hat der- oder diejenige sich immer mit einem laustarken “Hallo” bemerkbar gemacht.
Ausgerechnet dieses eine Mal, als ich mein I-Phone fahrlässig habe liegen lassen,
musste jemand vorbei kommen, der es mir dann auch augenblicklich stiehlt.
Und damit zugleich wieder ein Stück Unbekümmertheit.
Muss man denn ständig auf der Hut sein,
mit zittrigen Fühlern permanenten Misstrauens alles um sich herum wachsam wahrnehmen?

Der Samstag war für mich gelaufen.
Ich war das ganze Wochenende betrübt, und bin es immer noch.
Wegen eines Handy?
Es ist doch nur ein Ding, millionenfach hergestellt.
Ich habe mich selber gewundert, wie sehr dieser Verlust meine momentane Glücksstimmung verdüstert hat.
Aber es vergehen nur ein paar Stunden oder Tage, und schon hat sich dieses Massenprodukt
in etwas Ureigenes verwandelt,
in eine Art externes Organ,
das auf seiner schnurlosen Umlaufbahn um den eigenen Körper,
in Innen-Hosen- und Jackentaschen, in warmen Händen
durch Hege und Pflege quasi von diesem eigenen Leib “mitversorgt” wird,
um umgekehrt zu dessen Wohlgefühl beizutragen.
Als funktionerendes Teil eines erweiterten “Stoffwechsels”
seines Wirtes in der Kommunikation mit seiner Umwelt.
Und darüber hinaus hat das Hantieren mit dem I-Phone etwas Selbstbezügliches wie Körperpflege.
Man muß die Besitzer nur beobachten, wie sie in jeder “freien” Minute an ihrem Ding rumfummeln.
Oder man könnte den Eindruck haben, das Tasten, Öffnen, Downloaden etc gleicht einer “Bewusstseins-Erweiterung” ,
als beschäftigte man sich derart trainierend mit dem Denk- und Erinnerungsvermögen eines mobilen Kleinhirns,
daß mit dem Ich auf eigen-artige Weise stets in Verbindung steht.
Kurz: es scheint unverzichtbar.
Es wird unverzichtbar.
Ich habe mir früher nie allzu viel aus den neuesten technischen Geräten gemacht.
Ich benutzte oft die alten Handys, die Andere durch neue Modelle ersetzt hatten.
Mein jeweiliges Handy war für mich eher so eine Art Notrufgerät.
Aber mein neues I-Phone gab mir jetzt das Gefühl,
diesbezüglich endlich im 21. Jahrhundert angekommen zu sein,
nun auch dazu zu gehören, zu den Eingeweihten der Pidgin-Kommunikation.
Als hätte ich durch das I-Phone ein “Up-date” verpasst bekommen,
und nicht umgekehrt.

Mit den ausgewählten Synchronisationen, die ich mit meinem Mac vorgenommen habe,
bin ich regelrecht eingezogen in dieses handschmeichelnde Gehäuse.
Ich habe es eingerichtet mir meiner Geschichte, meinen Vorlieben,
mit Daten und Bildern meiner Beziehungen zu Menschen, Dingen und Orten.
Die Musik, die mich in den letzten Jahren begleitet hat, ja eigentlich seid meiner Pubertät,
befand sich nahezu vollständig in diesem flachen Etui,
die Fotos meiner Lieben , die ich für mich auf diese Weise jederzeit verfügbar bei mir getragen habe,
oder all die zum Vorzeigen übertragenen Bilder, wie z.B. den Großteil meiner noch verfügbaren Gemälde,
oder des Warensortimentes in meinem Laden.
Meine privaten Kontakte waren gespeichert zwischen den schwarz-weissen Lackflächen.
Sogar die Zeilen oder Stimmen meiner Gesprächspartner, die Möglichkeiten,
sie jederzeit kontaktieren zu können, und umgekehrt: meine Erreichbarkeit,
zählte ich zu den Eigenschaften,
die sich mit geheimnisvollen Inneren genau dieses einen, nämlich meines Gerätes verbinden.

Natürlich wäre all das mit ein paar Klicks wieder auf ein neues Gerät übertragbar.
Aber wenn ich MEIN I-Phone, dessen technisches Eigenleben und Funktionieren
ich nicht einmal mehr ansatzweise verstehen und nachvollziehen kann,
in der Hand hatte, fühlte es sich an wie ein speziell für mich magisch aufgeladenes Kult-Objekt,
ein technisch vibrierendes und sprechendes “Lebewesen” einer zweiten, künstlichen Evolution,
ein Fetisch, der mich auf zauberhafte Weise vernetzte und an dieser unbegreiflichen Welt teilhaftig sein ließ.
Mehr als jedes andere Handy zuvor, das muß ich zugeben, ohne genau zu wissen, warum.
Vielleicht allein schon deswegen, weil es so chic aussah.
Und weil es den Zeigefinger nahezu metaphysisch okkult zum Zauberstab veredelt,
mit dem man durch minimale Bewegungen und sanftem Druck
in zahllos verzweigten Gängen immer wieder neue Räume und Möglichkeiten eröffnen kann.
Man kann sich ja schon dabei ertappen, wie man das Spreizen von Daumen und Zeigefinger
auf andere Objekte anzuwenden versucht ist, die man gerne sich vergrößernd sehen oder fühlen würde.

Nun ist es weg, und ich muß mich um Ersatz kümmern.
Die Polizei hat den Diebstahl aufgenommen und ein Videoband sicher gestellt,
das von einer Kamera am gegenüberliegenden Gebäude aufgenommen wurde,
um die Einfahrt dort zu überwachen.
Mein Laden befindet sich am äussersten Bildrand.
Vielleicht ist der Dieb ja darauf zu sehen.
Vielleicht kenne oder erkenne ich ihn ja sogar.

Traum vom Sterben

16. Oktober 2008

Heute Nacht hielt ich einen sterbenden Mann in den Armen.
Er war schwer verletzt
und stöhnte unter großen Schmerzen.
Seine Augen waren weit geöffnet, voller Angst
und dem Wissen, nun gleich zu sterben.
Daran gab es keinen Zweifel.
Ich hielt den Liegenden fest in meinen Armen,
zog seinen Oberkörper hoch, stützte seinen zuckenden Kopf.
Ich war ein Unbekannter für ihn, aber ich war bei ihm.
Ich konnte ihn nicht trösten, ihm keine Hoffnung geben,
ihm nicht zuversichtlich zureden,
auf sein Klagen nicht antworten.
Die deutliche Schwere seiner Verletzungen ließ dies nicht zu.
Wir wussten beide, daß er sterben würde.
Wir waren in diesem Moment allein mit dieser Gewissheit,
und durch sie vereint.
So weit es geht.
Denn ich spürte zu jedem Zeitpunkt:
Du bist nicht dieser, der da stirbt.
Es sind nicht Deine Schmerzen, es ist nicht Deine Panik und Verzweiflung.
Es bin nicht ich, der sein Leben verliert,
sondern er.
Gleich.
Der Moment des Sterbens,
an den man sein ganzes Leben denkt,
ist jetzt gekommen.
Für ihn.
Meiner noch nicht.
Und ich sehe es - vor Allem - mit an.
Und bei allem Mitgefühl,
bei aller Verzweiflung über vergebliche Hilfe
und den jämmerlichen Beistand des zufälligen Da- Seins
spürte ich gleichzeitig : Erleichterung.
Aber ich wusste ebenso:
wenn Du dran bist,
wird es den Anderen ähnlich gehen.

Das ist Eines unserer Limits.
Wir können, wenn überhaupt, ansatzweise,
nur mitfühlen und mitleiden, was wir selbst- ähnlich wirklich - erlebt haben.
Dies gilt auch für die Gefühle, Schmerzen und Trauer der Lebenden,
und erst recht für den Tod.
Das Sterben können wir noch erleben.
Den Tod nicht.
Tot ist man nur für die Anderen.
Danach ist

Entfremdung

16. Oktober 2008

Heute sah ich eine Geschäftsfrau in der Innenstadt,
die vor ihrem Laden das welke Herbstlaub
der gelb leuchtenden Straßenbäume zusammenfegte.
Den Boden ihres Schaufensters hatte sie komplett
mit künstlichen Blättern in malerischen Herbstfarben dekoriert.

Stargate

10. April 2008

In die Post-Filiale am Kaiser-Wilhelm-Ring in Köln
kommt jeden Vormittag eine alte, gebrechliche Dame.
Sie kommt, um den Schalterbeamten Süssigkeiten zu bringen.
Diese haben sie nicht darum gebeten.
Sie tut es.
Keiner weiß warum.
Gebeugt, ganz langsam und vorsichtig,
als wären sie sehr zerbrechlich,
holt sie die Päckchen aus ihrer Handtasche
und legt sie auf eine Metallfläche neben einen der Schalter,
wie auf eine Schwelle zu einer anderen Welt.
Heute waren es drei Hanutas.
“Darf ich datt da hinnlejen?” fragt sie mit zartem Kölsch.
Ein Postbeamter nickt wortlos,
die anderen beiden bedienen achtlos weiter,
als würde nur eine Uhr schlagen.
Dann geht sie wieder.

Vermutlich entschwindet sie in eine Gegenwart,
in die ihr keiner mehr folgen kann.
Vermutlich spricht sie mit Menschen,
die keiner von uns mehr sehen kann.
Ihr kleines, stilles Opfer,
ihre tagtägliche Aufmerksamkeit,
ihre großmütterliche Wohltat:
Wem gilt sie ?
In welches Jenseits reicht sie die Schokolade?